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28. Deutscher Logistik Kongress
BVL-Zusammenfassung 28. Deutscher Logistik-Kongress,
22. Oktober 2011  

28. Deutscher Logistik-Kongress: 2011 wird ein Rekordjahr für den Wirtschaftsbereich Logistik in Deutschland
           

Unter dem Motto "Flexibel - sicher - nachhaltig" fand vom 19. bis zum 21. Oktober 2011 der 28. Deutsche Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) in Berlin statt. Drei Tage lang bot sich den rund 3.400 Teilnehmern aus 40 Nationen die Gelegenheit sich über grundsätzliche Themen der Logistik und des Supply Chain Managements auszutauschen. 200 Aussteller präsentierten sich in der begleitenden Fachausstellung. Der 29. Deutsche Logistik-Kongress wird vom 17. bis 19. Oktober 2012 in Berlin stattfinden.

Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorsitzender des Vorstands der BVL, ging in seiner Eröffnungsrede auf die aktuelle konjunkturelle Lage und auf die wirtschafts-, währungs- und finanzpolitischen Entwicklungen ein. So würden neben Fakten Emotionen eine große Rolle spielen. Bemerkenswert sei, dass die Erwartungen der deutschen Wirtschaft für die nächsten zwölf Monate insbesondere bei Industrie und Handel schon seit einem Jahr verhaltener angegeben werden, ohne dass sich die wirtschaftliche Lage tatsächlich verschlechtere. Der Umsatz des Wirtschaftsbereichs Logistik dürfte sich laut einer Fraunhofer-Prognose  2011 bei 220 Milliarden Euro bewegen und das bisherige Rekordjahr 2008 übertreffen. Für 2012 sei ein weiteres, wenn auch verlangsamtes, Wachstum sowohl bei Umsatz als auch bei den Beschäftigten wahrscheinlich. "Zwar stehen alle Indikatoren im expansiven Bereich, aber die Logistiker müssten sich auf instabile Wirtschaftssituationen einstellen. Robuste und flexible Lieferketten sowie Wachsamkeit gegenüber den globalen Marktturbulenzen sind die richtigen Werkzeuge", erklärte Klinkner.

Fachkräftemangel als Erfolgsrisiko

Ein Risiko für weiteres Wachstum und unternehmerischen Erfolg  sieht die BVL im Fachkräftemangel. Eine Umfrage unter den Mitglieds-unternehmen der BVL Deutschland im Sommer 2011 habe ergeben, dass 75 Prozent der Logistikunternehmen Schwierigkeiten haben offene Stellen adäquat zu besetzen und dadurch Einbußen erwarten.Die Logistikbranche offeriere über alle Hierarchieebenen Arbeitsplätze: Vom Fahrer, Zusteller, über Fachkräfte bis hin zum  Speditions-, Lager- und Logistikleiter. Allerdings kämpfe die Branche mit einem Wahrnehmungs- und Imageproblem und auch die interessanten Karrieremöglichkeiten in der Logistik seien zu wenig bekannt. 

"Magisches Dreieck" - Flexibilität, Sicherheit und Nachhaltigkeit

Raimund Klinkner stellte weiter den strategischen Ansatz eines "Magischen Dreiecks" für die Logistik vor: die Wechselwirkungen zwischen Flexibilität, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Wie sind Unter-nehmen auf ein Welthandelswachstum in volatilen Märkten vorbereitet? Wie können sie an den steigenden Bedarfen der BRIC-Staaten partizipieren? Wie sichern sich Unternehmen gegen Finanzmarktkrisen ab? Welche Ressourcen werden an welcher Stelle optimal eingesetzt? Es ginge um die Vermeidung von überflüssigen Warenströmen, die Optimierung von Tourenplänen, bestmögliche Flächennutzung, re-ssourcenschonende Technologien oder sensiblen Mitarbeitereinsatz, so Klinkner.

"Die drei aktuellen Handlungsmaximen stehen also miteinander in Wechselwirkung und bedürfen langfristig einer ausgewogenen Ko-ordination. Unternehmen und Logistikabteilungen, die konsequent ganz-heitlich an die Aufgabenstellungen herangehen, dürften regelmäßig auf der Erfolgsspur sein", meinte Klinkner.

Highlights und Themenschwerpunkte des Kongresses

Der Kongress bot in zwölf Hauptvorträgen, bei 16 Fachsequenzen, bei Exkursionen und Diskussionen ein breites Spektrum aktueller und langfristig relevanter Logistikthemen. Die Hauptredner waren: 

   •  Gerhard Berssenbrügge, Vorstandsvorsitzender,
       Nestlé Deutschland AG; 
   •  Susanna Webber, Mitglied des Vorstands,
       Adam Opel AG; 
   •  Michael Kleinemeier, Geschäftsführer D/A/CH
      SAP Deutschland AG;
   •  Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender,
      Deutsche Bahn AG; 
   •  Dr. Theodor Weimer, Sprecher des Vorstands,
      HypoVereinsbank, München; 
   •  Max Schön, Präsident,
      Deutsche Gesellschaft Club of Rome; 
   •  Michael Behrendt, Vorstandsvorsitzender,
      Hapag-Lloyd AG, Hamburg; 
   •  Karl Ulrich Garnadt, Vorstandsvorsitzender,
      Lufthansa Cargo AG, Frankfurt; 
   •  Martin Herrenknecht, Vorstandsvorsitzender,
      Herrenknecht AG; 
   •  Barbara Kux, Mitglied des Vorstands,
      Siemens AG.

In einer Podiumsdiskussion zum Thema "Die Rolle der Seehäfen für die Exportnation Deutschland" traten die Wirtschaftssenatoren der Hafenstandorte Hamburg und Bremen, Frank Horch und Martin Günthner auf. In einem weiteren Schwerpunkt zur "Herausforderung Infrastruktur" diskutierten Dr. Matthias Ruete als Vertreter der EU-Kommission, der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium Dr. Andreas Scheuer, Dr. Karl-Friedrich Rausch, Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn AG und der Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes Mathias Krage.
Den Gastvortrag zum Abschluss der Veranstaltung am 21. Oktober hielt der Wissenschaftspionier Dr. Bertrand Piccard zum Projekt Solar Impulse, Fliegen ohne Treibstoff.

Deutscher Logistik-Preis 2011 geht an die Geberit Logistik GmbH

Träger des diesjährigen Deutschen Logistik-Preises der BVL ist die Geberit Logistik GmbH. Die Jury zeichnete das Unternehmen für das Projekt "Radikaler Umbau einer Konzernlogistik" aus. Die Preis-verleihung erfolgte im Rahmen der Gala-Veranstaltung am Abend des ersten Tages des 28. Deutschen Logistik-Kongresses.

Das Projekt

Bis zum Jahr 2005 war die Logistik nicht als Kernfunktion bei Geberit etabliert. Ineffiziente Prozesse, steigende Logistikkosten und die Zunahme individuellerer Kundenanforderungen bedingten eine kon-sequente Umsetzung des Masterplans:

   •  Logistik im Entwicklungsprozess - als fester Bestandteil der
      Produktentwicklung mit Einflussnahme
      auf Verpackung/Verpackungseinheiten
   •  Beschaffungslogistik - Optimierung Inbound durch
      Milkrun-Systeme, Senkung Kapitalbindung und Lagerkosten;
      Einkauf von Handelsware durch Logistik
   •  Lean Production und Intralogistik -  die Lean Philosophie
      wurde etabliert; Produktivitätssteigerung durch
      Fließfertigung realisiert
   •  Zentralisierung der Distribution - Effizienz- und Transparenzgewinn
      durch zentrale Koordination; konsolidierte Belieferung der Kunden
   •  Logistikzentrum Pfullendorf - Neukonzeption von Kernprozessen,
      Volumensteigerung, dadurch Verkürzung  der Auftragsdurchlauf-
      zeiten; professionelles Anlaufmanagement
   •  Standardisiertes Transportmanagement - Bündelungseffekte,
      Standardisierung der Abläufe, verbessertes
      Ladungsträgermanagement
   •  IT-Logistiksteuerung - durchgängige SAP-Prozesse
   •  Logistikcontrolling - gruppenweit, tagesaktuelle Kennzahlen;
      Beherrschung sich kurzfristig ändernder Auftragseingänge
   •  Nachhaltigkeit in der Logistik - deutliche Senkung
      der CO2-Emissionen, gemeinsame Verpflichtung auf grüne
      Normen von Geberit und Spediteuren
   •  Am Schluss des Prozesses stand die Gründung der Geberit 
      Logistik GmbH im Jahr 2011.

Der betriebswirtschaftliche Erfolg lässt sich mit Zahlen eindrucksvoll belegen:

   •  Produktivität in der Logistik plus 29 Prozent
   •  Logistikkosten minus 15 Prozent
   •  Bestände minus 28 Prozent
   •  Mittlere Durchlaufzeit minus 26 Prozent

Wissenschaftspreis Logistik 2011

Der Wissenschaftspreis Logistik 2011 ging an Dr. Jochen Gönsch, Akademischer Rat, Lehrstuhl für Analytics & Optimization an der Universität Augsburg. Gönsch wurde für seine Doktorarbeit mit dem Titel "Opaque Products, Flexible Products, Upgrades - Innovative Produkte im Revenue Management und ihre Implikationen auf den Steuerungs-prozess" ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt der Arbeit standen Ansätze zur optimalen Angebots-steuerung, die dem Anbieter auch nach dem Verkauf eine gewisse Flexibilität ermöglichen. Dazu zählen etwa Upgrades, die insbesondere von Dienstleistern bereits seit längerem genutzt werden, aber auch neuartige Produkttypen, die häufig über das Internet vertrieben werden und beispielsweise in der Luftfahrt in den vergangenen Jahren eine rasante Verbreitung erfahren haben.

Der Wissenschaftspreis Logistik ist mit € 10.000,-- für den Preisträger und € 10.000,-- für das betreuende Institut dotiert.

Weitere Informationen unter: www.bvl.de
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