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Compliance in der Logistik

Compliance in der Logistik


Wie in vielen anderen Unternehmensbereichen und besonders in einem volatilen wirtschaftlichen Umfeld wie dem heutigen, gewinnt speziell in der Logistik das Thema Compliance Jahren stark an Bedeutung. Dabei ist nicht nur die Lager- und Transportlogistik zu betrachten, sondern das "big picture", gemeinsam mit den eng verknüpften Einheiten Einkauf und Zollwesen. Sinn und Zweck der Compliance ist es, neben der Abwendung von Schäden für das Unternehmen auch dessen zivil- und strafrechtliche Haftung zu minimieren. Dabei ist die Compliance keineswegs als ein Mittel zum Eigenzweck zu betrachten, sondern versteht sich als vorauseilendes und somit pro-aktives Risikomanagement.


Um positiv zum Unternehmensergebnis beitragen zu können, ist es unabdingbar, dass Compliance als Chefsache verstanden und eine entsprechende zugehörige (Matrix-)Organisation aufgebaut wird. Um effektiv und effizient operieren zu können, muss das Compliance-Team mit entsprechenden Durch-griffsrechten ausgestattet und der Geschäftsführung direkt unterstellt sein. Ein "Papiertiger" kann keinen Stopp einer potenziell riskanten Geschäftstätigkeit erwirken oder Weisungen direkt durchsetzen.


Im Detail hat sich der Compliance-Verantwortliche mit seinem Team mit Einhaltung des Kartellrechts, Korruptionsvermeidung, Exportkontrolle, Einhaltung von EU-Länderembargos (ggf. US-Recht), Beachtung und Prüfung der Sanktionslisten, Zollrecht sowie dem Management von Gefahrstoffen zu beschäftigen. Compliance-relevante Themen setzen eine abteilungs-übergreifende und intensive Zusammenarbeit mit Personal-abteilung (Personalscreening), Einkauf (Tarifierung, Zollsätze, Präferenzen), Forschung und Entwicklung (Genehmigungen und Dual Use-Listen), Finanzwesen ("De-minimis" - Unternehmens-verflechtung - Mutter-zu Tochtergesellschaften, Zahlungs-meldungen, Kreditwesen), Rechtsabteilung (Vertragsverein-barungen), Vertrieb (Geschäftspartner, Endempfänger, End-verbleibserklärung), Zollwesen (Genehmigungen, Vereinfachun-gen wie z.B. AEO, bekannter Versender usw.) und der operativen Logistik selbst (Nutzung der Genehmigungen, Reporting), voraus.


Ob die Durchführung der Tätigkeiten manuell oder mit Softwareunterstützung erfolgt, kann im Rahmen einer Bestandsaufnahme im jeweiligen Unternehmen festgelegt werden. Ein solches Audit fokussiert sich auf Risikoanalyse mit Rating der Ergebnisse, existierende Kommunikationssysteme (intern - mit anonymen Meldungen, extern - zur Absicherung, dass alle relevanten Vorgaben aus EU, US und UN bekannt sind) und last but not least auf ein funktionierendes internes Kontrollsystem.

Nur wenn Compliance nicht nur gegeben, sondern vielmehr auch beweisbar ist, können Konsequenzen in Hinblick auf weitere intensive Außenwirtschafts- und Zollprüfungen, Straf- oder Bußgeldandrohungen, Imageschäden, explizite Kosten oder sogar ein möglicher Liefer- und damit Umsatz-Stopp, ausgeschlossen werden. Der Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" gilt hier eindeutig nicht! - Und somit sind wir als Logistik-Community gefordert, selbst aktiv zu werden.


Burkhard Fuhrmann
Head of Global Transportation und Trade Compliance Officer
Grohe AG, Düsseldorf


Dr. Thomas Schachner
Senior Vice President, Grohe AG, Düsseldorf
Vizepräsident, BVL Österreich

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