Serie Special: KI – JETZT oder NIE?

Er ist mit großen Hoffnungen, teils aber auch mit großen Zweifeln verbunden: Der zentrale Megatrend KI. Die Frage für Expertin Ursula Eysin ist jedoch nicht, wen oder was KI ersetzt, sondern was sie alles möglich machen kann.

Die Industrie wie auch zahlreiche andere Bereiche ist derzeit an einem wichtigen Punkt in der KI-Entwicklung angelangt: Der Hype ist vorbei, die Realität klopft an. Und das ist gut so. Denn viele Erwartungen wurden nicht erfüllt. Unzählige Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an fehlender Klarheit. Unternehmen haben nicht sauber entschieden, wofür sie KI eigentlich einsetzen. Das Ergebnis: keine Produktivitätssprünge, keine echte Effizienz, dafür Frust. Ungeschulte Mitarbeitende verlieren durch schlecht eingeführte Tools oft Zeit, statt sie zu gewinnen. Das ist jedoch nicht das Ende der KI-Story, es ist der Anfang der seriösen sinnstiftenden Phase, weiß Ursula Eysin, Founder & CEO von RedSwan.

Fähigkeit statt Feature
KI ist kein Nice-To-Have, sondern eine neue industrielle Grundfähigkeit, ähnlich wie Elektrifizierung oder Automatisierung. Sie kann Entscheidungen vorbereiten, Muster erkennen, Qualität sichern, Prozesse stabilisieren, Wissen verfügbar machen. Vor allem aber kann sie Entwicklung beschleunigen – von der Idee bis zum Prototyp, von der Simulation bis zur Optimierung. Wer KI richtig einsetzt, baut nicht nur effizientere Abläufe, sondern schneller bessere Lösungen. Die Chancen liegen dort, wo die Komplexität hoch ist: Wartung, Qualitätskontrolle, Supply Chain, Engineering, Energie, Sicherheitsprozesse, Dokumentation, Compliance. KI kann menschliche Expertise skalieren, nicht ersetzen. Sie kann Teams entlasten, damit sie wieder an den Dingen arbeiten, die wirklich zählen. Was den KI-Erfolg hingegen gefährdet sind blinder Tool-Einsatz, falsche Daten, fehlende Governance, Sicherheitslücken sowie rechtliche Unsicherheit. Dazu kommt ein kulturelles Risiko: Wird KI lediglich als „Effizienzpeitsche“ eingeführt, kippt potenziell die Stimmung. Dann entstehen Angst, Widerstand und am Ende Stillstand.

Schaffen statt Ersetzen
Es gilt daher, KI als Schaffenskraft zu verstehen: für bessere Produkte, robustere Lieferketten, resilientere Produktion, schnellere Innovation. Konkret heißt das: Kompetenzaufbau in den Betrieben, experimentelle Pilotprojekte mit klarer Zielsetzung und ein strategischer Blick dafür, was gezielt möglich gemacht werden soll. Wenn Unternehmen diesen Denkwechsel vollziehen, entsteht ein Standortvorteil durch smartere Wertschöpfung. Österreich muss nicht der Ort sein, an dem KI „eingekauft“ wird. Österreich kann der Ort sein, an dem sie in Industriequalität „gebaut“ und sinnvoll eingesetzt wird.

Ergänzung statt Bedrohung
Österreich und Europa können mit KI dort gewinnen, wo sie traditionell stark sind: hochwertige Industrie, Engineering, Sicherheit, Regulierungskompetenz, Qualitätsanspruch. KI wird Prozesse stärker vernetzen und Entwicklung, Produktion, Service plus Lieferkette zu einem lernenden System machen – beispielsweise mit Predictive Maintenance, Simulationen, adaptiver Qualitätssteuerung, intelligenter Produktionsplanung oder wissensbasierter Assistenz für Fachkräfte. Der entscheidende Punkt bleibt kulturell: Die Gewinner sind nicht jene, die KI unüberlegt folgen oder als Bedrohung wahrnehmen, sondern jene, die KI als Experimentierfeld nutzen und strategisch führen. „Es geht um Neues, nicht um Ersatz. Um mutige Lösungen, nicht um Angst. Um Menschen, die mit Maschinen arbeiten, statt wie Maschinen behandelt zu werden. Wenn wir das ernst nehmen, kann KI Europas Industrie nicht nur effizienter machen. Sie kann sie wieder führend machen“, ist Ursula Eysin überzeugt.

Ursula Eysin / ©Florian Wieser

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