Topp Oder Flopp – Erfolgstreiber statt Schockstarre

Der Grat zwischen wahrer Disruption und floppendem Hype ist äußerst schmal. Ob First Mover oder Fast Follower die smartere Wahl ist? Hochenergiephysiker Norbert Frischauf darüber, wie Unternehmen proaktiv am besten navigieren.

Was wäre, wenn es tatsächlich funktioniert? Eine Frage, die sich Österreich und Europa ruhig öfter stellen dürften. Denn diesem so wichtigen opportunistischen Denken fehlt es hier durchaus noch an Durchschlagskraft. Der Schlüssel ist, nicht ausschließlich in Schwierigkeiten zu denken. Denn welches Potenzial ließe sich im besten Fall damit entfalten? Dass jede Schöpfung ein Wagnis ist, wusste schon Dichter und Schriftsteller Christian Morgenstern. Hochenergiephysiker Norbert Frischauf bringt diesen prägnanten Gedanken ins Heute – und auch ins Morgen. Für ihn steht fest: Disruptionen kommen selten aus dem Nichts. Und sie sind vor allem eines: Chancen, die genutzt werden wollen.

Die perfekte Vision
Auch im Logistiksektor sind (potenzielle) Disruptionen allgegenwärtig. Advanced Robotics, Künstliche Intelligenz, autonome Fahrzeuge oder neue Energiespeichertechnologien scheinen das Potenzial zu haben, Lieferketten grundlegend zu verändern. Eine Disruption kann gut sein. Aber ist sie auch gut genug? Ein Denkansatz: Zu überlegen, wo noch Optimierungspotenzial besteht und zunächst gedanklich die perfekte Vision der Lösung zu kreieren. Ist die perfekte Vision, etwas vollkommen ohne Lärm, ohne Schadstoffe und idealerweise auch noch komplett autonom von A nach B zu transportieren? Dann wird im Rahmen einer guten Idee ein Ergebnis irgendwo zwischen These, Antithese und Synthese die Realität abbilden. Es gilt, das Essenzielle herauszufiltern, das den wahren Mehrwert der Veränderung liefert.

Wissen macht Fortschritt
Doch nicht jeder Hype wird automatisch zum Erfolg, nicht jede Innovation zur prägenden Disruption. Wichtig ist, nicht aus dem Bauch heraus zu entscheiden, sondern vor jedem Wagnis zu verstehen, worauf sich die mögliche Disruption aus technischer sowie naturwissenschaftlicher Sicht begründet. Denn Technik und Naturwissenschaft sind die Triebkräfte hinter dem Erfolg. Es empfiehlt sich, stets aufmerksam zu beobachten, welche Entwicklungen sich unter dem Radar abzeichnen. Denn echte Disruptionen kündigen sich häufig bereits früh an, es benötigt jedoch einige Dominosteine, um durch den Impuls auch eine kraftvolle Welle auszulösen. Wer seine Hausaufgaben macht, umfassend vernetzt ist, kommuniziert und sich aktiv mit Peers sowie internen und externen Experten austauscht, kann rechtzeitig entsprechend agieren.

Norbert Frischauf
Norbert Frischauf

Keep On Turning
Um nicht in der Schockstarre der Disruption zu verharren, heißt es also, stets mitschwimmen und sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen. Denn die Welt bewegt sich unaufhaltsam weiter und wer schläft, wird überrollt. Verweilt man zu lange in der Komfortzone, zieht sie an einem vorbei. Dreht der Wind dann doch, ist man es zudem nicht mehr gewohnt, den Kurs zu ändern. „Nicht immer müssen Unternehmen First Mover sein. Auch sich als cleverer Fast Follower zu etablieren, kann Sinn stiften. Unternehmen sollten dazu immer neugierig bleiben, die richtige Welle erkennen und sie dann mitreiten, wenn sie gesamtheitlich sinnvoll und für das eigene Business passend ist“, ist Norbert Frischauf überzeugt.

Ideelle Partner der Kompetenzvernetzung Österreichs im Sektor Logistik